GGTM e.V.

Amerikanische Chiropraktik

Dr. Sylvie Bensinger – 08.2017

Was ist Chiropraktik?
Chiropraktik ist eine eigenständige Therapieform, die in erster Linie auf die Untersuchung und Behandlung von Problemen des Bewegungsapparates abzielt, d.h. vor allem der Gelenke, Muskeln und Bänder.
Die Untersuchung, Diagnose, Behandlung, sowie die Vorbeugung vor Einschränkungen, Schmerzen und Erkrankungen des Bewegungsapparates und deren Einflüsse auf den allgemeinen Gesundheitszustand sind die Hauptaufgaben eines Chiropraktikers. Alle Gelenke des Körpers können chiropraktisch behandelt werden.
Die Wiederherstellung einer guten, physiologischen Beweglichkeit der Wirbelsäule und aller anderen Gelenke aktiviert die Selbstheilungskräfte der Tiere und bewirkt ein über Beweglichkeit hinausgehende positive Beeinflussung der Gesundheit und Vitalität der Patienten.
Die Effekte der chiropraktischen Behandlung werden überwiegend über die Funktion des Nervensystems vermittelt.

Warum erreicht der Chiropraktiker mit seiner Behandlung das Nervensystem?
Das Nervensystem ist das „Hauptkontroll-System“, das alle Abläufe und Funktionen im Körper koordiniert. Das Gehirn muss hierbei über gesunde funktionsfähige Nerven alle Organe, Körperteile, sowie Atmung, Blutkreislauf, Verdauung etc. steuern können. Das funktioniert über den Weg: Gehirn – Rückenmark – abgehende Nerven zwischen jedem Wirbelsäulengelenk und weiteren Aufzweigungen in die kleinsten Bereiche des Körpers. Auf diesem Wege erhält der Körper seine Informationen und Impulse für sämtliche Körperfunktionen. Wird diese Verbindung durch einen verschobenen Wirbel, in der Chiropraktik als Subluxation bezeichnet, gestört, gehen wichtige Informationen verloren und es können Krankheiten entstehen. Auf den ersten Blick werden diese Blockaden oft übersehen, so dass Chiropraktiker mit ihrer spezifischen Diagnostik und gezielten Behandlung sehr hilfreich sind.

Was verursacht solche „Blockaden“?

Das Leben! Spielen, Toben, Springen, Fallen, etc. – also „traumatische“ Ereignisse. Viele Hunde haben bereits aus dem Welpenalter Blockaden. Da nur in 30 – 40% der Fälle dadurch Schmerzen auftreten, werden diese meist übergangen. Verfestigen sich diese Blockkaden und bleiben über Jahre unbehandelt, entwickeln sich früher oder später Lahmheit und Gelenksverschleiß durch Schonhaltung und Fehlbelastung.
Daneben können auch psychischer Stress, Umweltgifte und organische Funktionsstörungen über neurologische Reflexbögen zu Blockaden führen.

Was ist eine chiropraktischer Impuls?
Der von Chiropraktikern eingesetzte Impuls auch Justierung oder Adjustment genannt, kann im weitesten Sinne als physikalischer Behandlungsimpuls bezeichnet werden. Mit einem präzisen manuellen Impuls werden die Gelenkflächen eines Gelenks kurzzeitig unter einem Millimeterbereich bewegt. Es ist immanent wichtig, das der Impuls sehr schnell und mit wenig Kraft und in einem genauem Winkel ausgeführt wird. Dieser Impuls bewegt nicht nur das blockierte Gelenk, sondern hat sofort positiven Einfluss auf die Funktionsfähigkeit des Nervensystem. So werden die natürlichen Selbstheilungskräfte des Körpers gefördert. Indirekt werden dadurch Verspannungen an Muskeln, Sehnen und Bändern behandelt. Verspannungen bzw. Muskelverhärtungen entstehen z.B. dadurch, dass der Organismus versucht die Blockade zu „stabilisieren“.
Chiropraktik bedeutet übersetzt aus dem Griechischem „mit der Hand tun“, und bei den meisten Techniken wird mit der Hand bzw. den Fingern behandelt. Immer häufiger finden in der Tiermedizin Hilfsmittel aus der Humanchiropraktik wie der Activator oder ArthroStim (siehe Bilder) Ihre Anwendung. Das sind Geräte, mit denen der spezifische chiropraktische Impuls gezielt appliziert werden kann und den Vorteil haben, hohe Geschwindigkeit in die Justierung einzubringen.


Das Activator Instrument ist ein mechanischer Impulsgeber und ermöglicht sehr schonend eine Justierung an nahezu jedem Punkt des Körpers.
© Dr. Sylvie Bensinger


Der ArthroStim ist ein elektrischer Impulsgeber und ermöglicht sehr schonend eine Justierung an nahezu jedem Punkt des Körpers.
© Dr. Sylvie Bensinger

Woran erkenne ich, ob mein Tier „Subluxationen“ (Blockaden) aufweist?
Kleinere Störungen werden meist nur geringfügige Beeinträchtigungen bewirken. Jedoch könnte ihr Tier bereits weniger aktiv und spielfreudig werden. Bei sportlich beanspruchten Tieren, wie zum Beispiel Renn- und Jagdhunden, auch Sportpferden kann es zu spürbarer Leistungsminderung kommen. Gesteigerte Berührungsempfindlichkeit bestimmter Körperregionen oder ein Zucken der Haut beim Bürsten können Hinweise auf eine fehlerhafte Nervenfunktion sein. Das Belecken und Benagen von Körperstellen sind Hinweise auf gestörtes Empfinden. Katzen zeigen manchmal nur eine Unlust auf erhöhte Stellen zu springen oder Schmerzäußerungen beim Hochheben.
Bei größeren „Subluxationen“ versucht das Tier die fehlende Beweglichkeit zu kompensieren bzw. eventuell auftretenden Schmerzen auszuweichen, indem es seine Körperhaltung ändert. Dadurch kommt es zu einer verstärkten mechanischen Belastung anderer Wirbelsäulenabschnitte und der Gelenke der Gliedmaßen. Die Tiere zeigen deutliche Ausweichbewegungen oder können z.B. die Beine nicht mehr gut über einem Sprung anziehen.

Was sind die Einsatzgebiete der Chiropraktik?
Lahmheiten
Arthrosen, Spondylarthrosen
Bandscheibenvorfälle (nach vorheriger Abklärung mittels CT oder MRT)
Cauda equina Syndrom
Leckekzeme, chronische Ohrenentzündungen, Analdrüsenbeschwerden
Harn- und Kotinkontinenz
Hyperästhesien und Parästhesien
Epilepsie
Allgemeine Vorsorge von Sport – und Leistungstieren, sowie geriatrische Patienten
Nach Unfällen im Anschluss an die Notfall-Erstversorgung
… und vieles mehr

Wie oft muss behandelt werden?
Am besten ist es Krankheiten gar nicht erst entstehen zu lassen. So erfolgt beim Menschen der Zahnarztbesuch meist bevor deutliche Probleme auftreten. Findet sich was, sind das oft Kleinigkeiten, die schnell behoben werden können. So ähnlich muss man sich das mit den Blockaden vorstellen. Aus diesem Grunde sollte die chiropraktische Untersuchung und Behandlung im besten Fall in der prophylaktischen Phase beginnen und das bedeutet im Idealfall bereits eine Begleitung im Jungtieralter sobald die „wilde“ Phase beginnt.
Die meisten Patienten kommen jedoch leider erst in der symptomatischen Phase zu uns, also wenn bereits Beschwerden oder Schmerzen vorhanden sind. Bis die Korrektur der Nervenstörung erfolgt ist und das Nervensystem seine Aufgabe wieder erfüllen kann, sind in dieser Phase regelmäßige Termine wichtig. Über welchen Zeitraum die Behandlung erfolgt, hängt von der Tierart, vom Individuum, Alter und Krankheitsbildes des Tieres, Dauer des Bestehens seiner Blockade und seiner Beanspruchung ab. In einfachen Fällen kann das vorgestellte Problem mit einer Behandlung gelöst werden. Bestehen die „Subluxationen“ bereits länger oder haben wir es mit einem älteren Tier zu tun, das bereits deutliche Kompensationen aufweist, müssen wir diesem mehr Zeit geben. Diese Fehlstellungen der Wirbel können dann in mehreren Sitzungen langsam und sanft behandelt werden, damit der Körper Zeit hat, sich schrittweise an diese Veränderung zu gewöhnen.
Auch wenn die offensichtlichen Symptome schnell verschwinden, dauert es in der Regel seine Zeit, bis der Körper automatisierte Schon- und Fehlhaltungen wieder durch physiologische Bewegung ersetzt. Daher folgt eine sich anschließende Stabilisierungs-Phase mit weiterhin regelmäßigen chiropraktischen Behandlungen. Die besten Ergebnisse werden erfahrungsgemäß durch ein allmähliches Vergrößern des Behandlungsintervalls erreicht. Ist der Heilungsprozess abgeschlossen, setzt wieder die vorbeugende Phase ein.


Literatur:
Robert A. Leach (2003): The Chiropractic Theories: A Textbook of Scientific Research – LWW
Meridel I. Gatterman (2005) : Foundations of Chiropractic: Subluxation – Elsevier Mosby
Spine J. 2002 Sep-Oct;2(5):357-71.Neurophysiological effects of spinal manipulation.
Pickar JG1.
Daniel Redwood, DC and Carl S. Cleveland, DC (2003) : Fundamentals of Chiropractic – Elsevier Canada
David Byfield (2012) : Technique Skills in Chiropractic – Elsevier Health Sciences
Henrik Simon (2014) : Lehrbuch der Chiroprakitk – Haug Verlag


Artikel erstellt am: 7. November 2017, 12:19