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Akupunktur

Dr. Sabine Gajdoss – 04.04.2007

Die Akupunktur stellt einen Teilbereich der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) dar. Neben der Akupunktur wurde und wird mit Heilkräutermischungen, mit speziellen Ernährungsplänen, mit Massagetechniken (Tuina) und mit gymnastischen Übungen, wie z.B. Übungen der Qi Gong Lehre (= „Arbeit am Qi“), gearbeitet. Alle zusammen stehen für ein in sich schlüssiges Heilsystem, das bereits mehrere Tausend Jahre alt ist. Eines der ältesten bekannten Bücher über die TCM ist das Huang Di Nei Jing, die „Schwierigkeiten des gelben Kaisers“, das während der Regierungszeit des Kaisers Huang Di (von 2679 bis 2596 v.Chr.) verfasst wurde.

Im 17. Jahrhundert kam die Akupunktur über französische Kaufleute nach Europa. Dieses Wissen ging jedoch weitgehend verloren. In Deutschland wurde bereits 1951 die „Deutsche Ärztegesellschaft für Akupunktur“ gegründet. Aber erst mit der Öffnung Chinas nach Westen und dem Besuch des amerikanischen Präsidenten Nixon erregten Berichte von Akupunkturbehandlungen öffentliche Aufmerksamkeit. Die TCM fand danach immer größeres Interesse und immer mehr Anhänger in medizinischen Kreisen. In den westlichen Ländern entstanden für die Akupunktur von Tieren neue Wege. In der traditionellen chinesischen Veterinärakupunktur (TCVM) werden bewährte Punkte gestochen. Das Modell der Energieleitbahnen (Meridiane), die den gesamten Körper überziehen und zum Körperinneren leiten, ist in der TCVM nicht gekannt. Die Pioniere der westlichen Akupunktur, die ihre Ausbildung oft in China erhielten, waren Humanmediziner und Medizinerinnen, die Tiere mit behandelten und dafür das auf den Menschen bezogene System der TCM verwendeten. Durch die Mitarbeit der vielen Tierärztinnen und Tierärzte und andere Tiere behandelnden Menschen entstand so das transponierte System der Veterinärakupunktur. Die Akupunkturpunkte des Menschen und die diese verbindenden Meridiane wurden für dieses System auf die Tiere übertragen. Inzwischen ist diese Methode der Tierakupunktur über 40 Jahre alt und Tierärzte, die damit arbeiten halten in China Vorträge und stellen es vor. Viele Veterinärakupunkteure ergänzen das transponierte System mit den Punkten der klassischen TCVM.

Der Begriff Akupunktur leitet sich von den lateinischen Begriffen Acus = “die Nadel” und pungere = “das Stechen” ab. Die Akupunktur verwendet dabei physikalische (Nadel, Laser) Reize an genau definierten Hautarealen und den darunter liegenden Gewebeschichten.

Mit dem steigenden Interesse und den vielen Berichten erfolgreicher Akupunkturbehandlungen nahm auch das Bestreben zu, die Wirkung der Akupunktur nach westlich wissenschaftlicher Sicht zu erklären.

Das Ergebnis ist eine Anzahl von Erklärungsversuchen die verschiedene Wirkungsweisen der Akupunktur erklären. Sie haben eines gemeinsam: Alle können einen Teil der Wirkung erklären, aber keiner dieser Erklärungsansätze kann das gesamte Spektrum der Wirkungsmöglichkeiten erklären: „aufgrund der bisherigen naturwissenschaftlichen Erkenntnisse lässt sich sagen, dass die Akupunktur auf einem komplexen Wirkungsprinzip beruht“ (Propädeutik der Akupunktur, G. Kampik, 1997, Hippokrates Verlag).

Über den Stich der Akupunkturnadel, der Behandlung mit dem Laser oder einer Punktmassage (Akupressur) wird auf Energiekreisläufe Einfluss genommen und damit die Selbstheilungsfähigkeit des Patienten unterstützt. Körpereigenen Mechanismen im Gehirn und auf Rückenmarkebene zur Schmerzbekämpfung und zur Normalisierung von gestörten Organfunktionen werden ausgenutzt, um körpereigene entgleiste Reflexe zu normalisieren. Aus diesem Grund gehört die Akupunktur auch in den Bereich der selbst regulierenden Heilmethoden, respektive der Regulationsmedizin. Hierin liegt auch die Begrenzung der Wirkungsweise dieser Heilmethode. Der Körper muss dafür noch in der Lage sein sich selbst zu regulieren, respektive zu heilen. Zerstörte Strukturen, wie ein durchtrenntes Rückenmark, kann auch durch Akupunkturbehandlungen nicht wieder repariert werden.

Wann kann Akupunktur helfen?

Diese Liste erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Sie gibt die häufigsten Bereiche an, in denen Akupunktur eingesetzt wird:
Atmungsapparat:

  • chronisches Niesen, Schnupfen
  • chronischer Hustnen (Laryngitis, Pharyngitis, Bronchitis)
  • Asthma bei Hund und Katze, COPD beim Pferd

Verdauungsapparat:

  • Entzündungen der Maulschleimhäute (Gingivitis, Stomatitis)
  • massiver, sich in kurzen Zeitabständen aufbauender Zahnstein
  • chronischer Durchfall
  • Kotwasser beim Pferd
  • Anfälligkeit für Koliken beim Pferd, extreme Abwehrschwäche gegenüber Parasiten

Harn und Geschlechtsapparat:

  • Unfruchtbarkeiten
  • Störungen während der Geburt
  • Blasenentzündungen, Harnabsatzbeschwerden

Haut und Sinnesorgane:

  • allergische und hormonelle Hauterkrankungen
  • Hauterkrankungen, die auf Störungen des Immunsystems zurückgehen
  • chronische Konjunktivitis (Bindehautentzündung), chronische Keratitis (Hornhautentzündung), Keratitis sicca (trockene Hornhaut), periodische Augenentzündung beim Pferd
  • chronische Entzündungen des äußeren Gehörganges
  • Seh- und Hörstörungen

Bewegungsapparat

  • Entzündungen an Gelenken, Bändern, Sehnen, Muskeln
  • Anfälligkeit für Kreuzverschlag beim Pferd
  • Rückenprobleme
  • Arthrose, Arthritis (z.B. HD beim Hund, Spat beim Pferd)
  • Lähmungen (z.B. Dackellähme) in Abhängigkeit vom Lähmungsgrad
  • Neurologische „Probleme“ (z.B. Cauda equina, Neuritis)

Allgemeinstörungen

  • Schock, Atemstillstand bei Narkosezwischenfällen
  • Fieber, Hitzschlag
  • Altersbeschwerden bei Kleintieren und Pferden
  • Immunschwächen, wiederkehrende Infektionen (z.B. bei Borelliose, Leishmaniose, Herpesinfektion)
  • gewisse psychische Störungen, wie plötzlicher Verlust der Stubenreinheit, oder übermäßiger oder mangelnder Geschlechtstrieb

Wie oft muss akupunktiert werden?

In der TCM des Menschen gilt die Regel: Je akuter eine Erkrankung ist, desto öfter wird in umso kürzeren Intervallen behandelt, je chronischer sie ist, umso länger sind die Zeiträume zwischen den Behandlungen. Der Zeitrahmen für die gesamte Behandlung entspricht dem Zeitrahmen, in dem es die Erkrankung bereits gibt. Diese Regel hat sich auch bei Tieren bewährt. Glücklicherweise sprechen auch chronisch erkrankte Tiere oft besser und schneller auf Akupunktur an, als dies beim Menschen anscheinend der Fall ist. Dennoch gibt es Tiere die auch nach einer Akupunkturbehandlung nicht wieder vollständig gesund sind. Meist benötigen diese Tiere immer wieder Akupunkturbehandlungen, allerdings in großen Zeitintervallen.

Wie erhält man die Zusatzbezeichnung Akupunktur?

Die Voraussetzungen für die Zusatzbezeichnung Akupunktur und die Art der Prüfung unterscheiden sich bei den verschiedenen Landestierärztekammern. Ein Tierarzt, der die Zusatzbezeichnung Akupunktur erworben hat, hat sich mindestens über vier Jahre mit Akupunktur beschäftigt und sich am Ende dieser Zeit einer Prüfung gestellt.
Natürlich gibt es auch sehr gute Tierakupunteure, die die Zusatzbezeichnung nicht führen. So ist z. B. in manchen Bundesländern eine Dissertation Voraussetzung um die Zusatzbezeichnung zu erhalten. Das schließt leider alle Kolleginnen und Kollegen aus, die keinen Doktortitel führen.

Literaturempfehlungen (Ohne Anspruch auf Vollständigkeit)

  1. KOTHBAUER, O.; MENG, A. (1983):Grundlagen der Veterinärakupunktur, Verlag Welser Mühle, Wels, Österreich
  2. SCHOEN, A. (Hrsg.) (2003): Akupunktur in der Tiermedizin, Urban Fischer Verlag, München
  3. SCHOEN, A. (Hrsg.) (2005): Naturheilverfahren in der Tiermedizin, Elsevier Verlag, München
  4. SCHWARTZ, C. (2001): Traditionelle chinesische Medizin für Hunde und Katzen, Sonntag Verlag, Stuttgart
  5. SMEIER, I. (2003): Akupunktur, Müller Rüschlikon Verlag, Cham, Schweiz


Artikel erstellt am: 16. März 2007, 10:47