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Der Jubiläums-kongress der GGTM vom 09.-11.04.10 in Nürnberg war ein voller Erfolg. Der Kongressbericht mit einigen Impressionen wird bald eingestellt.

Die GGTM hat den Forschungspreis 2010 vergeben. Mehr Informationen zu den ausgezeichneten Arbeiten finden Sie unter Tiermediziner/die GGTM.

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Physiotherapie

Tierphysiotherapie – Ein kleiner Überblick

Die Physiotherapie bei Hund und Pferd hat in den letzten Jahren immer größere Bedeutung bekommen. Sie nimmt, da man erkannt hat, welche Wirkungen sie beim Tier hat, auch einen größeren Raum in der Veterinärmedizin ein. Im nachfolgenden Text soll erläutert werden, wo, wie und wann man Physiotherapie beim Tier angewendet werden kann.
Die Begriffe Physiotherapie und physikalische Therapie werden oft synonym verwendet. Das Wort „Physio“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Natur, natürlich, die natürlichen Lebensvorgänge betreffend“. Was ist nun Physiotherapie? Sie ist die Behandlung gestörter Körperfunktionen mittels natürlicher Therapieformen.
Der Begriff „Physikalische Therapie“ beschreibt die Behandlung mit physikalischen Mitteln, z. B. mittels Hydrotherapie, Thermotherapie oder Elektrotherapie. Unter den Begriff der Physiotherapie werden die Behandlungen mittels physikalischer Techniken und die Behandlungen durch die „therapeutischen Hände“ zusammengefasst. Die „physikalische Therapie“ ist nur ein Teilgebiet der Physiotherapie.
In der Humanmedizin wird die Physiotherapie in vielen Bereichen eingesetzt, wie z.B. in der inneren Medizin, der Orthopädie, der Chirurgie, der Geriatrie und der Sportmedizin, um nur die wichtigsten zu nennen. In der Veterinärmedizin wird die Tierphysiotherapie bisher nur in der Orthopädie, Traumatologie, Neurologie und im Hunde- und Pferdesport eingesetzt.

Hier ein kleiner Überblick über die physiotherapeutischen Therapieformen, die in der Tiermedizin eingesetzt werden. Die Aufzählung aller Therapiearten/-formen würde den Rahmen des Textes sprengen. Aus diesem Grund werden nur die wichtigsten therapeutischen Maßnahmen erwähnt:

1. Basistechniken:
· Aktive Techniken: Aktives Bewegen, aktives Bewegen gegen manuellen Widerstand, unterstütztes Bewegen
· Passive Techniken: Lagerungstechniken, passives Bewegen
· Mobilisationstechniken: Traktion, Kompression, Dehnungen
· Gangschulung: Besonders nach Frakturen oder Lähmungen, dazu gehört auch die Hilfsmittel- und Orthesenversorgung
· Haltungsschulung

· Atemtherapie: Drainagelagerungen, Sekretlösung
· Prophylaxen: Kontrakturprophylaxe nach Frakturen, Pneumonieprophylaxe, Dekubitusprophylaxe

2.) Spezielle Techniken:
· Alexandertechnik nach Frederik Matthias Alexander
· CranioSacrale Therapie
· Funktionelle Bewegungslehre
· Manuelle Therapie
· Osteopathie
· Motorische Fazilitation (Abgeleitet aus der Humanphysiotherapie vom PNF 0 Propriozeptive neuromuskuläre Fazilitation)
· Rückenschule

3.) Massagetherapie:
· Klassische Massage

· Lymphdrainage
· Bürstenmassage
· Kolonmassage

4.) Reflexzonentherapie:
· Bindegewebsmassage (BGM)
· Akupunktmassage nach Penzel
· Akupressur

5.) Hydro- und Balneotherapie:
· Kneipp-Anwendungen (Waschungen, Wickel, Güsse)
· Bäder
· Abreibungen, Abklatschungen, Bürstungen
· Bewegungsbad
· Unterwasserlaufband
· Schwimmen

6.) Thermotherapie:
· Kryotherapie
· Wärmetherapie

7.) Elektrotherapie:
· Niederfrequenztherapie (Iontophorese, Ultra-Reizstrom, TENS = Transkutane elektrische Nervenstimulation)
· Mittelfrequenzströme (Interferenzstromtherapie, Russian Technique Muskelstimulation)
· Hochfrequenzstromtherapie (Kurzwellentherapie)
· Ultraschalltherapie
· Magnetfeldtherapie
· Lasertherapie

Magnetfeldtherapie, z.B. zur Schmerzlinderung
Lasertherapie, z.B. bei Arthritis
Therapeutischer Ultraschall, z.B. bei einer verkalkten Bandscheibe

Einige auf dem Gebiet der Tierphysiotherapie Tätigen suchen auch immer während nach neuen Möglichkeiten, spezielle humanmedizinische Techniken auf das Tier zu übertragen, mit unterschiedlichen Erfolg. So sind bestimmte Techniken und Griffe sehr gut beim Tier anwendbar (Massage), andere Techniken hingegen auf Grund der zum Menschen unterschiedlichen Anatomie und/oder der sehr eingeschränkten gezielten aktiven Mitarbeit nicht. Beispiel: Kein Tier wird nur auf Befehl hin seine Vorder- oder Hinterextremität gegen Widerstand in eine bestimmte Stellung bringen. Gerade diese eingeschränkte zielgerichtete aktive Mitarbeit der Patienten erschwert natürlich die Arbeit des Tierphysiotherapeuten.

Warum und wann setzt man Physiotherapie beim Tier ein:

  • Zur Wiederherstellung oder zur Annäherung an einen physiologischen Zustand, z. B. die Wiederherstellung des physiologischen Gangbildes nach einer Operation oder Lähmung.
  • Zur Verbesserung der Beweglichkeit (Gelenke, Bänder, Sehnen, Muskeln), z.B. bei Arthrose
  • Zur Verbesserung der Muskelfunktion und des Muskelaufbaus, z.B. nach einem Kreuzbeinriss

Kreuzbeinriss am rechten Knie mit Schonhaltung

  • Zur Schmerzlinderung
  • Zum Konditionstraining
  • Um Heilungszeit zu verkürzen und/oder die Heilung insgesamt zu optimieren
  • Zur Erhaltung des gesunden Körpers (Psychische Wirkung auf das Tier)
  • Außerdem zur Vorbeugung bei vorzeitigen Alterungsprozessen, erblich bedingten Anfälligkeiten usw.
  • Um bei bestimmten Erkrankungen den Erkrankungsstatus zu halten oder zu verbessern
  • Um die Lebensqualität des Tieres zu verbessern
  • Bei sportlich aktiven Tieren

Das wichtigste in der Tierphysiotherapie ist die genaue Untersuchung des Tieres und damit die Befunderhebung. Dadurch wird es dem Therapeuten ermöglicht, die genaue Problematik des Patienten zu erkennen und einen individuellen Behandlungsplan zu erstellen.

Grenzen der Tierphysiotherapie
In Grenzen in der Tierphysiotherapie sind von verschiedenen Faktoren abhängig. Hauptsächlich werden die Grenzen gesetzt durch

Das Tier:

  • Manchmal ist es nicht möglich, das Tier zu behandeln, da es zu aggressiv, zu bissig oder zu ängstlich bei der Behandlung ist.
  • Die vorliegenden sonstigen Erkrankungen des Tieres (Tumor, Herzfehler, Allergie usw.) die Therapie soweit einschränken, das man überhaupt nicht mehr physiotherapeutisch arbeiten kann oder nur sehr gedingt.
  • Das Erkrankungsstadium des Tieres spielt auch eine wesentliche Rolle. Liegt z.B. ein geringradiger Herzfehler, so kann z.B. die Schwimmtherapie noch durchgeführt werden, aber bei einem hochgradiger Herzfehler ist davon abzusehen (Ausnahmen bestätigen die Regel).

Der Therapiemethode:

  • Manchmal kann die humanmedizinischen Behandlungsmethoden nicht auf das Tier übertragen werden, auch wenn sie noch so gut beim Menschen hilft, da das Tier nicht „bewusst“ mitarbeitet.

Den Besitzer:

  • Kann der Besitzer mit dem Tier umgehen? Kann der Tierbesitzer mit in die Tierphysiotherapie einbezogen werden oder muss der Physiotherapeut alleine am Tier arbeiten?
  • Kann der Besitzer seine „Hausaufgaben“ mit dem Hund zu Hause wirklich alleine durchführen oder will der Hund nicht liegen bleiben oder verweigert die Mitarbeit?
  • Ist der Besitzer willens und hat er die Ausdauer bei einem sehr pflegebedürftigen Patienten die Therapie durchzuführen oder wird es ihm „zuviel“?
  • Kann der Tierbesitzer die Behandlung zeitlich oder finanziell durchführen?

Kontraindikationen – was spricht gegen die Tierphysiotherapie
Bei manchen Erkrankungen muss die physiotherapeutische Behandlung eingeschränkt oder sollte überhaupt nicht durchgeführt werden. Die wichtigsten Kontraindikationen sind:

  • Mgr. bis hgr. Herzerkrankungen,
  • Tumorerkrankungen,
  • Infektionskrankheiten,
  • Hauterkrankungen (Mykosen).

Aber die genannten Erkrankungen sprechen nicht grundsätzlich gegen eine physiotherapeutische Maßnahme. So kann ein Hund z.B. mit hgr. Herzfehler trotzdem mit eine Kältepackung behandelt werden, wenn der Tierbesitzer genau aufgeklärt worden, wo und wie er sie anwenden soll, wie lange und wie oft. Im Endeffekt entscheidet der Therapeut nach gründlicher Untersuchung, ob und wie das Tier behandelbar ist oder nicht. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, dass der Tierphysiotherapeut vom Tierbesitzer genau aufgeklärt wird, welche Erkrankungen das Tier hat und welche Medikamente das Tier bekommt.
Die Tierphysiotherapie ist altersunabhängig. Man kann auch junge Tiere behandeln, um bestimmten Erkrankungen vorzubeugen und das Tier an die Behandlung gewöhnen und verwöhnen. Alten Tieren wird das Leben erleichtert und die Qualität des Lebens von Mensch und Tier positiv beeinflusst. Auf das Ihr Tier lange lebt und sich gut bewegen kann, denn „nur wer rastet, der rostet“.

Autorin:
Dr. Mima Hohmann
Mahlmannstr. 15
04107 Leipzig